PALLIATIV OHNE GERNZEN
Meran im Zeichen der Palliativmedizin
In der Woche vom 20. bis 28. Mai stand Meran ganz im Zeichen der Palliativmedizin. Unter dem Titel „Palliativ ohne Grenzen“ fanden sich in der Passerstadt über 100 Mitarbeiter in der Palliativen Betreuung aus Südtirol, Österreich und Deutschland zu einer Fortbildung und einem intensiven Gedankenaustausch zusammen.
Ärzte, Pfleger und Seelsorger beteiligten sich an den Workshops und an dem Symposium.
Das Symposium wurde am 26. Mai im Klanggarten von Martinsbrunn mit dem Festvortrag von Universitätsprofessor Dr. Heribert Niederschlag zum Thema „Durch die Krankheit bin ich aufgewacht – Schock und Chance in Grenzsituationen“ eröffnet. Musikalisch umrahmt wurde der Abend durch Chor und Orchester unter der Leitung von Richard J. Sigmund.
Dr. Florian Zerzer vom Gesundheitsressort, in Vertretung des Landesrates, und Bürgermeister Dr. Günther Januth hoben in ihren Grußworten die Bedeutung der palliativen Arbeit allgemein hervor. Sie verwiesen besonders auf die Palliativstation in Martinsbrunn, welche als Pilotprojekt vor 8 Jahren begann und mittlerweile weit über die Landesgrenzen als beispielhafte Einrichtung zur Betreuung unheilbar kranker Menschen angesehen werden könne.
Der 27. Mai stand unter dem Themenschwerpunkt „Grenzerfahrungen“.
Zum Thema „Kommunikation an der Grenze: Wenn uns die Worte fehlen…“ referierte Pfarrer Dr. Erhard Weiher aus Mainz. Universitätsprofessor Dr. P. Josef Römelt (Erfurt) sprach über „Grenzerfahrung am Endes des Lebens: „Vom heilsamen Umgang mit der Schuld“. Der Vormittag schloss mit dem Vortrag „Hinterm Horizont geht’ s weiter – Hoffnung ohne Grenzen“ von Dr. Eckehard Louen (Remagen).
Der erste Teil am Nachmittag wurde durch den Leiter der Palliativstation des Krankenhauses Dernbach, Herrn Dr. Christoph Lerchen durch den Vortrag „Grenzerfahrungen bei Patienten mit unbeherrschbaren Symptomkomplexen“ eingeleitet und durch Frauke Sörensen mit dem Vortrag „Grenzerfahrungen bei Patienten mit dementiellen Syndromen“ abgerundet.
Am Ende dieses dichten Tagesprogramms gestaltete Uschi Laar, die weltbekannte Harfenspielerin und Musiktherapeutin, den Vortrag über „Die Wirkung der Musik im pflegerischen Kontext“.
Am Vormittag des dritten Symposiumstags hatten die Teilnehmer die Möglichkeit an einem der Workshops zu den Themen „Überbringen schlechter Nachrichten“, „Ethische Grenzerfahrungen“ und Wundmanagement & Mundpflege „ teilzunehmen.
Den Nachmittag gestaltete Uschi Laar in Form einer Musikalischen Interaktion zum Thema „Natur, Mensch, Musik“ unter freiem Himmel auf dem Salten bei Langfenn.
Ein gemeinsamer Gottesdienst in St. Jakob/Langfann, gestaltet durch die Teilnehmer und durch Pfarrer Dr. Erhard Weiher, bot allen Teilnehmern einen tief beeindruckenden Abschluss einer rundum gelungenen Veranstaltung.
Dieses Symposium sollte die Auftaktveranstaltung zu einer verstärkten grenzüberschreitenden Zusammenarbeit im Bereich der Palliativen Betreuung zwischen den Kliniken Martinsbrunn und Dernbach (D) sein. Die Organisation und Durchführung hat federführend der Förderverein Palliative Care Martinsbrunn gemeinsam mit der Privatklinik Martinsbrunn, dem Krankenhaus Dernbach und der Maria Hilf Akademie Dernbach (D) übernommen.
Dem Symposium war ein zweitägiger „Self Care Workshop“ vorgeschoben, bei welchen die Referentinnen Dipl. Psychologin Elke Freudenberg und Dr. Ulrike Scheffler – Seibold spezifisch auf die Themen Stress, Burn-out, Selbstmanagement, Kommunikation, Zeitmanagement im Umgang mit terminalen Patienten eingingen. Themen, welche vor allem für Mitarbeiter der Palliativbetreuung von besonderer Bedeutung sind.
Der Meraner führte mit Dr. Christof Lerchen, dem Initiator dieser Veranstaltung, ein Kurzinterview:
Herr Dr. Lerchen,
Ø Was war die Zielsetzung dieser Intensivwoche im Zeichen der Palliativmedizin?
Wir wollten mit den Angeboten von Workshops, Symposium und den spirituellen und kulturellen Rahmenprogrammen einen Akzent in Richtung einer primär berufsgruppenübergreifenden Fortbildung setzen. "Ohne Grenzen" sollten sich Pflegende, Ärzte, Therapeuten, Seelsorger und Mitarbeiter aus den psychosozialen und hospizlichen Diensten begegnen können. Dies ist gelungen, die Klinik Martinsbrunn ist eine wunderbare Plattform der Begegnung.
Ø An „Palliativ ohne Grenzen“ haben sich eine Reihe namhafter Referenten
beteiligt. Wie sind die Vorträge und Workshops aufgenommen worden?
Hervorragende Fachlichkeiten sind das eine, Referenten wirken jedoch umso glaubhafter, je authentischer sie auftreten und je transparenter ihre eigene Haltung durchscheint. Das fachliche Niveau in Worschops und Symposium war hoch, noch beeindruckender war jedoch das authentische Auftreten eines jeden einzelnen Referenten.
Ø Wie haben sie persönlich diese Tage in Meran erlebt?
Ich persönlich bin ein großer Freund dieser Region, in der ich schon oft Urlaubstage mit meiner Familie verbracht habe. Ich habe ihr gutes Klima gespürt, im Mai sind laue Sommernächte für uns eine echte Seltenheit. Ein sehr gutes Klima hat jedoch auch in der gesamten Vorbereitung des Projektes "Palliativ ohne Grenzen" die Zusammenarbeit der Verantwortlichen der Klinik Martinsbrunn, der Ordensleitung der Barmherzigen Schwestern und uns Dernbachern geprägt. Da wundert es kaum, dass auch während der Fortbildungswoche nur gutes Klima herrschte.
Ø Haben sie schon Rückmeldungen der Teilnehmer und er Referenten?
Die Rückmeldungen sind überwältigend und sehr persönlich. Teilnehmer berichten, dass sie eine solche Art der Fortbildung bisher noch nicht erlebt haben. Eine Begegnung von Mitarbeitern aller Berufsgruppen, die in der palliative Begleitung tätig sind, ist wirklich gelungen, auf hohem Fachniveau aber jenseits von Hirarchie und Berufsstand. Ohne Grenzen eben. Und einen Kongressabschluss mit dem erhebenden Erlebnis eines Berggottesdienstes habe auch ich noch nicht erlebt !
Ø Über 100 Teilnehmer scheint für eine erste Veranstaltung dieser Art doch ein großer Erfolg zu sein! Denken Sie an eine Weiterführung dieser Initiative?
Wir sind einvernehmlich der Meinung, dass wir weiter zusammenarbeiten und unser gemeinsames Projekt "Palliativ ohne Grenzen" fortführen wollen. Gemeinsam mit unseren Meraner Freunden haben wir schon eine Fortbildungswoche ins Auge gefasst und freuen uns sehr auf den Mai 2012 in Meran.
